Wahre Freundschaft soll nicht wanken
wenn sie gleich entfernet ist
lebet fort noch in Gedanken
und der Treue nicht vergißt.
Keine Ader soll mir schlagen
wo ich nicht an dich gedacht
für dich werd ich Liebe tragen
bis in tiefe Todesnacht
Wenn der Mühlstein traget Reben
und daraus fließt süßer Wein
wenn der Tod mir nimmt das Leben
hör ich auf dein Freund zu sein
Jetzo schlägt die Trennungsstunde
reißt gewaltsam mich von dir
es schlägt zu früh die Scheidestunde
ach, ich fand mein Glück in dir
So nimm denn hin vom blassen Munde
den Abschiedskuß, der weinend spricht
und denk an diese Trennungsstunde
0 einz’ger Freund, vergiß mein nicht
Im Stillen werd ich Tränen weinen
und träumend dir zur Seite stehn
und seh ich Gottes Sonne scheinen
werd ich für dich um Segen flehn
Text und Musik: Verfasser unbekannt
in Deutscher Liederhort II (1893, Nr. 568 „Mädchentreue“)
Auf diese Melodie wurde um 1923 das Lied „Hohe Tannen weisen die Sterne“ gedichtet.
Liederthema: Abschiedslieder
Liederzeit vor 1800 - Zeitraum: 18. Jahrhundert: Volkslieder
Stichwort: Orte: Brandenburg, Franken, Hessen, Schlesien
Anmerkungen:
Text und Melodie aus Schlesien: Hoffmann Nr, 108. Ziemlich gleich, nur mit Versetzung der Strophen bei Erk I, 6, Nr. 25 aus Meiningen, Hessen, Brandenburg. Mit ähnlicher Melodie aber 3/4-Takt in Fink’s Hausschatz. Das Lied stammt aus der Mitte des 18. Jahrhunderts und war bis um die Mitte unseres Jahrhunderts in ganz Deutschland sehr beliebt (s. Hoffmann, Weimarer Jahrbuch II, 198).
Textvarianten:
Störend wirkt in diesem überschwänglichen Liebe folgende eifersüchtelnde Zusatzstrophe, die wir oben ausgelassen:
„Wo mag er sein? wo mag er stecken?
Mir ahnet nichts von seiner Treu:
mag er mit andern Mädchen scherzen
ich bleib sein Liebchen nur allein!
(oder: „sein gutes Herz läßt er allein.“)
Str. 4—6 bilden ein Abschiedslied, das hier angeschoben ist.
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In diesen Büchern:
u.a. in Voilker (1925) – — St. Georg Liederbuch deutscher Jugend (1935) — Wir singen (Grossdruck)