Rath, Lieb, bericht mir eben
was jetzt mein Frag wird sein?
Zwen Jüngling thäten streben
nach einem Jungfräulein
Sie warn all beid dermaßen
mit Lieb verwundet hart
daß keiner wollt nachlassen
keiner sein Fleiße spart
Ob solcher Lieb sie schworen
einander oft den Tod
drum ihr Freund den Rath koren
zu wenden Gfahr und Noth
Die Jungfrau sie anschreiten
daß sie aussprechen sollt
welchn unter diesen beiden
sie lieber haben wollt
Die Jungfrau zart von Tugend
mit Schönheit wol geziert
Antwort in aller Tugend
Ach, dies mir nicht gebührt
Und thät sich darob schämen
solchs raus zu sagen rund
habs aber zu vernehmen
mit folgends Zeichen Fund
Ganz unvermerkter Dingen
beid Freier sie begehrt
Der ein thät mit sich bringen
ein Kränzlein ohn Gefährd
Mit bloßem Haupt der ander
zugleich kam zu der Fahrt
Das Urtheil unbekannter
weis da gefället ward
Die Jungfrau mit Verleubte
nahm ihr eign Kränzelein
und setzt es auf das Häupte
des der bloß kam herein
Dargegen sie sich wendet
zum andern Freier dar
und nahm sein Kranz behende
und setzt ihn auf ihr Haar
Nun, Tath, Lieb und entscheide
welchs sei das rechte Pfand
und Zeichen dieser beide
gewechselt zu der Hand?
Ein Kränzlein ward genommen
das ander ward verehrt
nur eins das hat gewonnen
und die Jungfrau begehrt
Melchior Franck , Nürnberg 1611
Nach Hoffmann von Fallersleben : Die deutschen Gesellschaftslieder , 1843