Liederlexikon: Niederrheinisches Liederheft

| 1912

Wozu noch Kaiser-Lieder singen, wenn es kei­nen Kaiser mehr gibt. Doch waren sie mal populär, ebenso wie Lieder, welche die Liebe zum Vaterland, zum deutschen Rhein, zu deutscher Größe und Wehrhaftigkeit besun­gen haben. So macht das Lieder­buch auf geradezu beklemmende Weise deutlich, wie politische Indoktrination an Schulen des Kai­serreichs ausgeübt wurde: zuerst scheinbar harmlos, dann immer weiter um sich greifend mit deut­lich nationalistischem Unterton.

Da werden dann Lieder gesungen wie: „Die Wacht am Rhein.“ („Es braust ein Ruf wie Donnerhall….“), „Der deutsche Rhein“ („Sie sollen ihn nicht haben, den freien deut­schen Rhein…“), ,„Lützows wilde Jagd“ („Was glänzt dort vom Walde im Sonnenschein?…“), „Mein Va­terland“ („Treue Liebe bis zum Gra­be schwör ich mit Herz und Hand …“), „Gebet für Kaiser und Reich“ („Gott sei des Kaisers Schutz …“) und „Das Lied der Deutschen“ („Deutschland, Deutschland über alles …“). Die „Volkshymne“ („Heil dir im Siegerkranz, Herrscher des Vaterlands!…“) lernten die Kinder schon im dritten Schuljahr.

Das Lied von Schill: Zu den patriotischen Liedern zählte auch das Lied, das von den elf Schillsoldaten, die in Wesel hinge­richtet wurden, handelt: „Die Opfer zu Wesel“ („Generalmarsch wird geschlagen zu Wesel in der Stadt…“). Wie heute niemand mehr sich Schill-Feiern wie die von 1934 wünscht (die RP berichtete), so wird auch an keiner Schule mehr das Lied von den Schillschen Offi­zieren gelehrt.

Lieder, die mal eine ganze Jugend dazu verführt haben, mit Gesang und Hurra in den Krieg zu ziehen, stehen nicht mehr auf dem Stun­denplan. Es bedurfte zweier fürch­terlicher Kriege, bis wir diese Lekti­on gelernt hatten. Dass man vor 100 Jahren viele falsche Lieder gelehrt hat, sollte aber doch nicht heißen, überhaupt keine Volkslieder mehr zu singen, wie es an den Schulen noch immer vielfach geschieht.

(mit freundlicher Genehmigung des Autors Rudolf Haffner)

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