Es warn einmal zwei Schwestern
die eine war reich an Gut
die andre hatte sechs kleine Kinder
und der ihr Mann war tot
Die arme Schwester die macht sich auf
und ging wohl ihren Gang
sie ging zu ihrer reichen Schwester
die sie in Freuden fand
Ach Schwester liebe Schwester
gib mir ein kleines Brot
für meine sechs kleinen Kinder
die leiden Hungersnot
Ach Schwester liebe Schwester
für diesmal tu ichs nicht
mein Mann ist nicht zu Hause
ach nein das tu ich nicht
Die arme Schwester die wandt sich um
sie ging wohl ihren Gang
zu ihrn sechs kleinen Kindern
die sie im Schlafe fand
Der reiche Mann aus der Kirche kam
wollt er anschneidn das Brot
das Brot war hart wie Steine
das Messer von Blute so rot
Ach Fraue liebste Fraue
wem hast dus Brot versagt
Ach Gott meiner armen Schwester
die mich so kläglich bat
Die reiche Schwester die macht sich auf
und ging wohl ihren Gang
sie ging zu ihrer armen Schwester
die sie in Trauern fand
Ach Schwester herzliebste Schwester
hier bring ich dir ein Brot
für deine sechs kleinen Kinder
daß sie nicht leiden Not
Ach Schwester liebe Schwester
behalte nur dein Brot
der liebe Gott hat uns gespeiset
er speist uns immer noch
Die reiche Schwester die wandt sich um
und ging wohl ihren Gang
sie ging zu ihren großen Güten
die sie in Feuer fand
Ihr Reichen das bedenket
und tht den Armen Guts
der Herr hats euch gegeben
er kann es euch auch nehmen
er kennt euch gar zu gut
Diese Fassung vom Lied vom steinernen Brot : mündlich überliefert aus der Gegend von Perleberg und Wittstock , in Deutscher Liederhort (1856) 1856